Hundeprofis, Hundefluesterer, Hundenannis und Co. im TV

Noch nie gab es einen solchen Hipe um Hunde. Noch nie so zahlreiche Hundebücher, Accessoires, verschiedene Erziehungsmethoden und auch Fernsehsendungen rund um den Hund. (Warum dennoch so viele Hunde an der (Flexi)leine ihre Halter durch die Gegend ziehen, verstehen wir nebenbei gesagt auch nicht)

Der Hund ist in unserer westlichen Zivilisation zum Konsumgut geworden. Und wenn Hund nicht funktioniert wie gewünscht, dann muss man ja nur diese oder jene Technik anwenden und man sieht das Resultat. Wie das geht, machen die Hundeprofis, -flüsterer, -coaches etc. in ihren Sendungen vor. 

Wir finden es geradezu verwerflich, am Fernsehen Techniken zur Hundeerziehung zu zeigen. Viele Hundehalter denken deshalb, auch ihr Problem mit dem Hund sei innert Kürze mit dieser oder jener Technik zu lösen und sie wenden das Gesehene bei ihrem Hund an. Wie schön wäre es doch, wenn das eigene Hundeproblem (oder ist es ein Menschproblem?) ebenso innert 3 Lektionen verschwinden würde. Da fliegen dann Rasselbüchsen, es wird Wasser gespritzt, Halsbänder, die Luft oder Wasser sprühen verwendet, es wird mit dem Fuss gekickt oder der Hund mit einem dünnen Halsband gewürgt und auf den Rücken gelegt bis er "relaxt" ist. 

Leider wird mit diesen Sendungen suggeriert, das jedes Problem mittels einer solcher Technik gelöst werden kann. Ein geübtes Auge sieht wohl, dass noch viel mehr am Hund rumgedoktert wurde. Was man sieht, ist oft nicht so schön.

Denke dran: Dem Fernsehsender geht es nie um den Hund. Es geht um gute Einschaltquoten. Darum, Werbung zu verkaufen und um Erfolg. Für den Sender, nicht für das Hunde-Menschteam! Überlege mal, warum z.B. ein ängstlicher Hund, der keinen Besuch toleriert, dabei gefilmt werden kann, wie er auf Besuch reagiert? Ist der Kameramann ein Familienmitglied des Halters und der Beleuchter gleich dazu??

Oft wird da geschummelt, zusammengeschnitten oder noch schlimmer: Der Hund manipuliert.

Schade. Aber wir leben hier nun mal in einer Welt, wo wir auch zu funktionieren haben und möglichst erfolgreich sein sollen, ansonsten ist z.B. der Job gefährdet. Das hat auch Auswirkungen auf unsere Haustiere. Gerne hätten wir da auch Erfolg, und bitte schnell. Und was bei namhaften, weil durchs Fernsehen bekannten, Trainern gemacht wird, kann ja nicht verkehrt sein, oder?

Aber ein guter Trainer wird immer zuerst die Mensch-Hund-Beziehung näher anschauen. Er wird herausfinden wollen, was das Problem verursacht hat und wie dem Hund geholfen werden kann, in dieser Situation anders zu reagieren. Er wird den Hundeführer darin schulen, sein Verhalten so zu verändern, dass der Hund begreifen kann, was von ihm gewünscht ist. Er wird darauf hinweisen, dass eine Veränderung immer ein Prozess ist, der seine Zeit dauern wird.

Er wird auch nicht gleich mit dem Hund selber in der Problemsituation "trainieren" (oder eher den Hund traumatisieren) und er wird sich auf jeden Fall zu schade sein, seine "Fälle" am Fernsehen zu verkaufen. Was nebenbei bemerkt der Grund ist, warum man Jan Nijboer im Fernsehen nur zu Interviews finden wird.

Wer sich für die Ansätze verschiedener Trainer interessiert, dem sei das Buch:

Hunde erziehen - So arbeiten die besten Hundetrainer von Johanna Esser empfohlen

Zum dem Thema steht auch ein Blog hier:

Hundekind Abby (auch die anderen Einträge sind durchaus lesenswert)

Wir wünschen euch einen kritischen Blick beim Fernsehen und viel Zeit und Geduld für eure sofa-wölfe!

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